Private Equity im Mittelstand - Heuschrecke trifft Unternehmer

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Viele Unternehmer, insbesondere die aus dem wichtigen und großen Feld des Mittelstands stammen, sehen die Aktivitäten von Beteiligungsunternehmen eher kritisch. Zu groß ist die Angst vor dem Machtverlust und einer eingeschränkten Entscheidungsfreiheit des Unternehmers. Doch hat sich das Tun und Handeln der ursprünglich sehr angelsächsisch geprägten Investoren geändert, so gibt es eine Reihe von Vorzügen bei der Beteiligung einer Kapitalgesellschaft, die ihren Einsatz somit in vielerlei Hinsicht in ein anderes Licht rücken lassen.

Die Zahl der Verkaufsvorhaben von häufig familiengeführten Unternehmen steigt seit einigen Jahren stetig an. Zu viele Unternehmer können oder wollen aus unterschiedlichsten Gründen nicht auf Nachfolger aus dem Familienkreis zurückgreifen – insofern ist die Suche nach alternativen Nachfolgelösungen aktueller denn je. Häufig scheitern Übernahmen jedoch an der Kapitalfähigkeit der potenziellen Nachfolger: Es existieren häufig Einzelinvestoren in den eigenen Reihen (MBO) oder außerhalb der Gesellschaft (MBI), die ausreichend unternehmerisches Talent und viel Management- sowie Branchenkompetenz mitbringen, allerdings nicht über ausreichend Eigenmittel verfügen, um den Kaufpreis finanzieren zu können. Darüber hinaus sind Unternehmen, die gegebenenfalls gar nicht von der Nachfolgesuche betroffen sind, der Globalisierung mit dem Bedürfnis nach einer höheren Eigenkapitalquote ausgesetzt. Kann die Eigenkapitalbasis nicht schnell genug durch Gewinnthesaurierungen oder mittels Einlagen des Unternehmers bewirkt werden, so stellt sich auch hier die Frage wie dieses Problem gelöst werden kann.

Sind die Ausgangssituationen noch so unterschiedlich, haben sie doch die Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gemein. Eine Lösung könnte die Hinzunahme einer Private-Equity-Gesellschaft sein, wenn deren Finanzierungskonzepte für die jeweilige Situation passt. Wie ein für alle Beteiligten lohnenswertes Engagement eines Private-Equity-Hauses aussehen könnte, soll am Beispiel eines MBI- bzw. MBO-Falles dargelegt werden.

Durch die Beteiligung einer Private-Equity-Gesellschaft kann nicht nur die Finanzierung der Führungskraft durch Hinzugabe von Eigenkapital maßgeblich unterstützt werden, sondern – je nach Finanzierungsmodell – auch der Altgesellschafter noch über seine Unternehmer-Stellung hinaus durch die Ausreichung eines Verkäuferdarlehens mit attraktiver Verzinsung an einer angestrebten Unternehmenswertsteigerung partizipieren. So ist es denkbar, dass der in die Gesellschafterstellung einsteigende Manager erst durch die Mitwirkung eines Kapitalbeteiligers in die Möglichkeit versetzt wird, den Kauf zu realisieren. Darüber hinaus kann der Altgesellschafter, der mit dem Unternehmensverkauf aus dem Unternehmen ausscheidet und weiterhin Vertrauen in das Geschäftskonzept hat, durch ein „mit Eigenkapitalcharakter ausgestatten“ Darlehen die Finanzierung unterstützen. In diesem Sinne könnte eine Finanzierung des Kaufpreises folgendermaßen aussehen:


Ohne die Beteiligung der Private-Equity-Gesellschaft (PE) könnte der Manager (MBI/ MBO) eine Finanzierung nicht bewerkstelligen. Ein Darlehen des Altgesellschafters (Alt-Gter) ist zumeist nicht zwingend erforderlich wenn es um die Kaufpreisfinanzierung geht, kann aber auf Grund seiner Erträglichkeit durch hohe Zinsen eine attraktive Anlage für den Verkäufer darstellen.

 

Durch bestimmte Ausgestaltungen der Finanzierung des Unternehmens und seines Kaufpreises kann die Beteiligung eines Managers mit sog. „sweet equity“ versüßt werden: Während der Manager mit einem überdurchschnittlich geringen Anteil in das unternehmerische Risiko geht, bringt die Beteiligungsgesellschaft überdurchschnittlich viel für ihre Eigenkapitalanteile in das Unternehmen ein. So hat der Manager, der letztlich die operative Einheit führt, die Gelegenheit, durch die Wertsteigerung des erfolgreichen Unternehmens im Falle des Wiederverkaufs verhältnismäßig besser an dem Mehrerlös zu partizipieren als der Finanzinvestor:

Sicherlich ist der Kapitalinvestor nicht das selbstlose Finanzierungsvehikel bei der Übernahme des Unternehmens durch einen Manager. Zuallererst sollte beachtet werden, dass das Beteiligungsunternehmen mit dem Kapital seiner ureigenen Kunden agiert, die eine Wertsteigerung des eingesetzten Geldes erwarten. Insofern wird ein solcher Finanzinvestor nur auf das Unternehmen setzen, von dessen zukünftigen Erfolg es auch überzeugt ist. Damit einhergehend ist ebenso absehbar, dass ein Ausstieg des Private-Equity-Unternehmens durch den Verkauf seiner Anteile zu erwarten sein wird.

Die Bevorzugung des einkaufenden Managers hinsichtlich der prozentualen Anteile an der übernommenen Gesellschaft ist ebenso wenig altruistisch motiviert, erwartet sich der Finanzinvestor hierdurch doch eine gesteigerte Motivation des Managers bei der Mitarbeit an dem erfolgreichen Exit, also dem Ausstieg des Finanzinvestors unter der Voraussetzung eines signifikanten Unternehmenswertanstiegs.

In der Praxis sind jedoch zunehmend mittelstandsorientierte Beteiligungsgesellschaften zu finden. So sind Haltefristen teilweise länger als herkömmlich, weshalb Unternehmen mitunter über acht Jahre oder länger im Portfolio eines Finanzinvestors zu finden sind. Zudem interessieren sich erkennbar mehr Finanzinvestoren auch für den kleineren Mittelstand mit Umsätzen im einstelligen Millionenbereich. Darüber hinaus kann sich der Manager-Kandidat häufig größere Gestaltungsfreiräume bei der operativen Unternehmensführung einräumen lassen, die ihn in gewünschter Weise unternehmerisch frei handeln lassen.

In unserer Beratungspraxis haben wir so immer wieder erfahren, dass die erfolgreiche Unternehmensnachfolge im Rahmen eines Verkaufs an eine Führungskraft der Gesellschaft unter Hinzunahme eines Finanzinvestors gelingt. Nicht selten verändern sich in diesem Prozess die Vorurteile der Altgesellschafter in zunehmendes Wohlwollen gegenüber den „Heuschrecken“, die doch zähmbarer sind als anfänglich gedacht.

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